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Jüdische Kultur


Spuren Jüdischer Kultur - "Der Judenfriedhof "

Gesegnet bist Du,
Unser Gott, König der Welt, der Euch gezeugt hat nach dem Gesetz, und Euch unterhält nach dem Gesetz. Er weiß die Zahl von Euch und er wird Euch später auferstehen lassen nach dem Gesetz. - Gott soll gelobt werden,
weil er die Toten auferweckt.

Dieser Text steht auf der Tafel am Eingang zu einem Friedhof in Burgkunstadt. Dieser Friedhof liegt - fast schon versteckt - ca. 1 km außerhalb von Burgkunstadt. Man muss schon wissen, dass dort ein Friedhof liegt, um ihn auch zu finden. Es ist der Friedhof der ehemaligen israelitischen Gemeinde von Burgkunstadt - umgangssprachlich der "Judenfriedhof".

Dieser Friedhof diente den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern von Burgkunstadt, Altenkunstadt, Lichtenfels, Redwitz, Friesen und Maineck von 1626 bis ca. 1942 als letzte Ruhestätte. Heute erinnert er uns an eine blühende Kultur am Obermain.

Diese Kultur fand ein jähes Ende in der Zeit von 1933 - 1945.

Der Einzugsbereich des jüdischen Friedhofs von Burgkunstadt war also ziemlich groß, wie sich auch an den Ortsangaben auf den Grabsteinen ablesen lässt. Auch die Belegungsdauer erstreckt sich über einen ziemlich langen Zeitraum.
Man kann drei Belegungsphasen unterscheiden:

Bei der ältesten Belegungsphase sind die Grabsteine schon weitgehend umgekippt, Gras wuchert zwischen ihnen. Jüdische Friedhöfe werden im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen bewusst nicht gepflegt, weil hier eine andere Auffassung zugrunde liegt. Die Ruhe der Toten soll durch ständige Pflege nicht gestört werden.

Anordnung der Grabsteine

Die zweite Belegungsphase nimmt räumlich die rechte Hälfte des unteren Teils des Friedhofes ein. Hier sind die Grabsteine geometrisch exakt in Reihen mit ziemlich gleichem Abstand angeordnet. Man kann unterschiedliche Grabsteinformen und -typen erkennen. Es gibt Rundbogenabschlüsse von Grabsteinen, manche Grabsteine zeigen aber auch einen dachförmigen Abschluss, manchmal mit Rundbogenarkaden darunter. Auch in der Größe variieren die Grabsteine in dieser Belegungsphase.

Auf den Grabsteinen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts erscheinen immer mehr Symbole, die auch auf christlichen Friedhöfen zu finden sind. Auch die hebräische Schrift wird immer mehr durch deutsche Inschriften verdrängt. Weiterhin fällt auf, dass sich in dieser Phase die Einfassung des Grabes mit Randsteinen immer mehr durchsetzt, während sie in der ersten Belegungsphase fehlt.

Dies alles zeigt, dass sich die Begräbnisform und die Grabsymbolik in der ausgehenden zweiten Belegungsphase und vor allem in der dritten und jüngsten Belegungsphase immer mehr der christlichen Grabikonologie angleichen. So findet sich z.B. auf einem Grabstein mit deutscher Inschrift und rundbogigem Abschluss in diesem das Symbol des Siegerkranzes, das bis auf die Antike zurückgeht.

Der Siegerkranz will in diesem Zusammenhang nahe legen, dass der Verstorbene den Sieg über das irdische Leben davongetragen hat und im Jenseits als Sieger weiterlebt. Dieses symbolhafte Zeichen erscheint auch auf christlichen Grabsteinen.

Die lebendige Kultur der Bürgerinnen und Bürger, die jüdischen Glaubens waren, fand ein jähes Ende in der Zeit, als Verbrecher sich als Herrenmenschen aufspielten. Vor der Machtergreifung Hitlers lebten ca. 150 Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens in Burgkunstadt. 1946 lebte nur noch eine Jüdin in Burgkunstadt...

Bisher gab es leider sehr wenige Spurensicherungsprojekte über die ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Burgkunstadt. Einen sehr dankenswerten Versuch unternahmen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Burgkunstadt in der Zeit von 1988 bis 1989.

Die Ergebnisse dieser Spurensuche wurden als Beilage zum Jahresbericht des Gymnasiums Burgkunstadt 1988/89 veröffentlicht.


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